Wir suchen WinzerInnen, keine Weinmarken
Sandra WimmerBeitrag teilen
Warum uns kleine, unabhängige Winzer wichtig sind – und was FIVI damit zu tun hat
Wein ist für uns mehr als nur ein gutes Produkt in einer schönen Flasche. Wein erzählt von einem Ort, von einem Stück Landschaft und vor allem von den Menschen, die dahinterstehen. Genau deshalb legen wir bei der Auswahl unserer Weine in der Genießerei besonderen Wert auf kleine, unabhängige Winzer.
Eine Organisation, die diese Philosophie in Italien besonders gut verkörpert, ist die Federazione Italiana Vignaioli Indipendenti – FIVI, die Vereinigung der unabhängigen italienischen Winzer.
Was bedeutet „Vignaiolo Indipendente“?
Ein unabhängiger Winzer ist bei FIVI nicht einfach jemand, der wenige Hektar Weinberge besitzt. Die Mitgliedschaft folgt klar definierten Kriterien.
Der Winzer bewirtschaftet seine eigenen Weinberge, verarbeitet die daraus gewonnenen Trauben selbst zu Wein, füllt ihn auf dem eigenen Betrieb ab und vermarktet ihn unter seinem eigenen Namen. Die gesamte Kette – vom Weinberg bis zur Flasche – bleibt damit in der Verantwortung des Winzers.
Das unterscheidet diese Betriebe von größeren Strukturen, Kellereien oder Marken, die Trauben, Most oder fertige Weine zukaufen und daraus ihre Produkte erzeugen können.
Und genau das finden wir spannend.
Die Qualität beginnt im Weinberg
Für uns ist ein weiterer Punkt entscheidend: Bei vielen dieser kleinen Betriebe beginnt die Qualitätsarbeit bereits lange vor der Kellerarbeit.
Ein gutes Beispiel ist die Handlese. Wo Trauben von Hand geerntet werden, kann bereits im Weinberg eine erste, sehr wichtige Selektion stattfinden. Reife und gesunde Trauben werden geerntet, während faule, beschädigte oder noch nicht optimal entwickelte Trauben aussortiert werden können. Auch Fremdkörper lassen sich bereits bei der Ernte erkennen und entfernen.
Was gar nicht erst in den Keller gelangt, muss dort später auch nicht korrigiert werden.
Hinzu kommt die schonende Behandlung der Trauben. Die Handlese ermöglicht eine behutsame Ernte und eine gezielte Auswahl des Leseguts. Gerade bei hochwertigen Weinen kann das einen wichtigen Beitrag zur Qualität leisten.
Natürlich bedeutet Handlese allein noch keinen guten Wein. Und auch maschinell geerntete Trauben können hervorragende Weine ergeben. Aber wenn ein Winzer seine Trauben von Hand erntet und bereits im Weinberg selektiert, zeigt das sehr deutlich, welchen Stellenwert Sorgfalt und Qualität für diesen Betrieb haben.
Zurück zum landwirtschaftlichen Betrieb
Die Weinwelt hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert. Große Mengen, internationale Marken, standardisierte Produkte und eine zunehmend industrialisierte Produktion prägen heute einen Teil des Marktes.
Dagegen möchten wir mit unserem Sortiment einen bewussten Kontrapunkt setzen.
Wir suchen Winzer, keine Weinmarken.
Uns interessieren Menschen, die morgens in ihren Weinberg gehen, ihre Böden kennen, ihre Reben beobachten und wissen, wie sich ein Jahrgang entwickelt. Menschen, die Entscheidungen nicht in einem Konzernbüro treffen, sondern im Weinberg und im Keller.
Und vor allem Betriebe, bei denen der Wein Teil eines landwirtschaftlichen Gesamtkonzepts ist.
Das bedeutet nicht, dass ein kleiner Betrieb automatisch besseren Wein produziert. Größe allein ist selbstverständlich kein Qualitätskriterium. Aber die Struktur eines Betriebes kann einen entscheidenden Unterschied machen.
Wenn der Winzer selbst für Weinberg, Ernte, Keller, Abfüllung und Vermarktung verantwortlich ist, bleibt die Verbindung zwischen Herkunft, Handwerk und Persönlichkeit erhalten.
FIVI als Orientierung
Genau hier kommt FIVI ins Spiel.
Die Federazione Italiana Vignaioli Indipendenti wurde 2008 gegründet und vereint unabhängige Winzer aus ganz Italien. Ihr gemeinsames Verständnis: Wein soll aus der Arbeit des eigenen landwirtschaftlichen Betriebes entstehen.
Das FIVI-Zeichen auf einer Flasche ist für uns deshalb interessant, weil es bei der Auswahl eine wichtige Orientierung gibt. Es ist kein klassisches Qualitätssiegel und bedeutet nicht automatisch, dass ein FIVI-Wein besser schmeckt als ein anderer Wein.
Es sagt aber etwas sehr Wichtiges darüber aus, wie dieser Wein entstanden ist und wer dafür Verantwortung trägt.
Und genau diese Transparenz schätzen wir.
Warum wir bei der Genießerei diesen Weg gehen
Wir haben bereits einige FIVI-Winzer in unserem Sortiment und möchten diesen Weg konsequent weitergehen.
Dabei geht es uns ausdrücklich nicht darum, große Weingüter oder bekannte Marken grundsätzlich abzulehnen. Auch dort gibt es hervorragende Weine und beeindruckende Winzerpersönlichkeiten.
Aber wir möchten den Blick immer wieder auf jene Betriebe richten, die vielleicht nicht über große Marketingbudgets verfügen, deren Weine man nicht an jeder Ecke findet und deren Namen außerhalb ihrer Region manchmal kaum bekannt sind.
Kleine landwirtschaftliche Betriebe statt anonymer Massenproduktion.
Persönlichkeit statt Marketing.
Herkunft statt Standardisierung.
Qualität statt möglichst großer Menge.
Das ist die Richtung, in die wir uns mit der Genießerei bewegen möchten.
Italien kann mehr als große Namen
Gerade Italien bietet dafür ein nahezu unerschöpfliches Potenzial. Von den Alpen bis nach Sizilien gibt es eine unglaubliche Vielfalt an Böden, Klimazonen, Rebsorten und Traditionen.
Dahinter stehen unzählige Familienbetriebe und unabhängige Winzer, die teilweise seit Generationen ihre Weinberge bewirtschaften.
Viele dieser Weine erzählen eine Geschichte, die man schmecken kann.
Vielleicht ist der Wein nicht jedes Jahr völlig identisch. Vielleicht verändert sich ein Wein von Jahrgang zu Jahrgang ein wenig. Vielleicht trägt er deutlicher die Handschrift seines Winzers.
Aber genau darin liegt für uns ein Teil seiner Faszination.
Wein muss für uns nicht perfekt standardisiert sein.
Wein darf Charakter haben.
Ein Zeichen, das zu unserer Philosophie passt
FIVI nimmt uns die Verkostung und die eigene Auswahl natürlich nicht ab. Wir probieren jeden Wein selbst und entscheiden danach, ob er zu unserem Sortiment und zu unseren Ansprüchen passt.
Aber die FIVI-Mitgliedschaft gibt uns eine zusätzliche Orientierung: Sie zeigt uns, dass hinter der Flasche ein unabhängiger landwirtschaftlicher Betrieb steht, der die Verantwortung für seinen Wein selbst trägt.
Für uns ist das ein wichtiger Baustein bei der Suche nach besonderen Weinen.
Und so werden wir auch in Zukunft versuchen, unser Sortiment Schritt für Schritt weiterzuentwickeln:
Weg vom anonymen Industriewein – hin zu kleinen, unabhängigen Landwirtschaftsbetrieben, zu Winzern mit Haltung, zu Weinen mit Herkunft und vor allem zu Qualität, die wir selbst mit gutem Gewissen weiterempfehlen können.
Denn am Ende soll man in der Flasche nicht nur Wein finden.
Sondern ein Stück Landschaft. Ein Stück Handwerk. Und vor allem den Menschen dahinter.